So

04

Jul

2010

Public Viewing: Vier mal Brasilien

Inzwischen bin ich wieder aus Südafrika zurück. Das letzte Match der brasilianischen Mannschaft habe ich im Brasilien-Trikot an der Bremer Schlachte verfolgt. Schade, dass es nicht geklappt hat. Danach ging ich mit einigen Brasilianern noch durch die Stadt. Die Deutschen haben mit Häme nicht gespart. Ein bisschen mehr Respekt hätte ich mir schon gewünscht ...

 

Aber heute will ich noch einmal über meine Public Viewing Erlebnisse in Südafrika berichten und meine Erlebnisse mit ein paar Fotos dokumentieren.

 

Das erste Brasilien-Spiel, das ich sah, fand abends statt. Ich verfolgte das Spiel am Mary Elisabeth Square im Viertel Newtown in Johannesburg. Dafür musste ich lediglich 10 Minuten zu Fuß über die Nelson Mandela Brücke gehen. Obwohl diese bewacht war, ließen mich die Südafrikaner keinen Meter alleine gehen. Zunächst begleitete mich die Wache der Uni, in der ich im Wohnheim residierte, die ersten Minuten, übergab mich der Wache auf der Brücke, die mich schließlich einem Dritten Sicherheitsmann weitergab, der mich bis zum Platz brachte. Ich hatte nicht das Gefühl einer Gefahr, aber die Südafrikaner wollten auf Nummer Sicher gehen, dass während der WM keinem Touristen etwas passieren sollte. Außerdem schien es ihnen auch zu gefallen, mich zu begleiten – und allein unterwegs zu sein ist in Südafrika nicht die Regel.

 

Auf dem Platz selbst war ich deutlich in der Minderheit. Es waren nur eine Handvoll Touristen dar, und die meisten der dort versammelten schwarzen Südafrikaner waren für die afrikanische Mannschaft der Elfenbeinküste, die damals noch gute Chancen hatte, sich zu qualifizieren. Die Niederlage wurde aber sehr bedacht aufgenommen – und mir wurde von meinem zufällig neben mir stehendem Nachbarn stellvertretend für Brasilien gratuliert.

 

Brasilien ist ein riesiger Sympathieträger in Südafrika, sodass ich im Spiel gegen Portugal, das ich mir erneut am Mary Elisabeth Square anschaute – diesmal am Nachmittag zusammen mit drei deutschen Kollegen. Bei diesem Spiel waren die lokalen Fans klar auf Seiten der Brasilianer und mit vielen brasilianischen Flaggen versehen.

 

Zwar hat das Anfeuern durch die Vuvuzuelas dem Spiel nichts gebracht, aber die Stimmung auf dem Platz war wirklich klasse, und ich habe mich als gern gesehener Gast gefühlt.

 

Das dritte brasilianische Spiel, das ich in Südafrika verfolgt habe, war das 3:0 gegen Chile. Es sollte die letzte brasilianische Party werden – aber was für eine! Inzwischen war ich in Kapstadt. Dort hatte ich raus gefunden, wo die brasilianischen Fans feiern: Es war eigens ein großer Veranstaltungsraum angemietet worden. Vor und nach dem Spiel gab es brasilianische Live-Musik. Die meisten Anwesenden waren Brasilianer, welche den Sieg ihres Teams ausgiebig feierten.

 

Schade, dass es für Brasilien nicht gereicht hat. Und schade, dass Ghana draußen ist. Die Ghana-Fans waren schon vor und nach dem Deutschland Spiel klasse, das ich ja live in Soccer City verfolgt habe. Farbenfroh, friedlich und fröhlich. Den Einzug in die nächste Runde gegen die USA habe ich wieder in Newtown in einem tollen Restaurant mit vielen Südafrikanern gefeiert, die sich mit dem letzten verbleibenden afrikanischen Team identifiziert haben. Für einen Moment habe ich mich als Afrikaner gefühlt – das hätte ich vor meiner Reise nicht gedacht.

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