Wir von Kultbrasil wollen Brasilien von möglichst vielen verschiedenen Seiten aus zeigen. Deshalb haben wir beschlossen, ein bisschen mehr über das Universum derer zu schreiben, die in Favelas leben – oder in „comunidades“, wie es die Bewohner selbst nennen.
Ich selbst bin in einer der größten Favelas Lateinamerikas aufgewachsen: in Rocinha habe ich meine Kindheit und einen Teil meiner Jugend damit verbracht, die Hügel der Favela auf und ab zu laufen. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an diese Zeit, aber leider wird auf der ganzen Welt nur die Seite der Gewalt und der Kriminalität gezeigt, welche sich im Rahmen von Filmen vermarkten lässt. Dieses medial geprägte Bild von Favelas bleibt nicht nur auf Brasilien beschränkt, sondern wird weltweit mit sogenannten „Elendsvierteln“ verbunden – wie etwa ganz deutlich im Film Slumdog Millionaire, dem großen Gewinner der Oscar-Verleihung 2009.
Natürlich gibt es Gewalt, Kriminalität und Elend in Favelas. Wenn aber Favelas damit gleich setzt, führt dies zur Stigmatisierung der Bewohner. Die Mehrheit der Bewohner einer Favela arbeitet hart, um sich den Lebensunterhalt und ein Mindestmaß an Respekt in der Bevölkerung zu verdienen. Je mehr Favelas aber als gefährlich und abscheulich gelten, desto mehr Distanz und Misstrauen wird auch zu den Bewohnern errichtet. Favelas werden nicht nur zu „no go“-areas, sondern auch zu Orten des globalen Lebens, über die man wenig weiß und zu denen man wenig Kontakt hat.
Wir von Kultbrasil wollen dazu beitragen, den Favelas und ihren Bewohnern mehr Sichtbarkeit zu verleihen. Dafür schlagen wir verschiedene Wege ein. Zum Beispiel wollen wir soziale Projekte vorstellen, die sich in den Favelas engagieren. Oder Künstler, die sich vom Leben in den Favelas inspirieren lassen haben. Und mehr über den Alltag der Favelados, ihrer Bewohner, erzählen.
Als erste Referenz dafür möchten wir Euch heute auf das Projekt „Favela é isso ai´“ aufmerksam machen. Ein Projekt, das von einer ONG in Minas Gerais durchgeführt wird. Darin geht es darum, den Bewohnern von Communidades eine Plattform zu schaffen, Anerkennung für ihre Arbeiten zu erlangen.
Wie man auf der Seite sehen kann, entstehen in Favelas wunderschöne Werke, die auf Interesse auf nationalen und internationalen Märkten stoßen. Auch im brasilianischen Film finden wir Schauspieler, die in Favelas aufgewachsen sind. Wie zum Beispiel beim berühmten Film City of God, der mit Schauspielern aus der Communidade besetzt wurde. Auch bei seiner Produktion waren Angehörige aus der City of God beteiligt.
Und genau dieser Seite wollen wir bei KultBrasil mehr Aufmerksamkeit widmen. Wir wollen zur Verbreitung von Kunst und Kultur aus peripheren Stadtregionen Brasiliens beitragen.
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Kommentare: 6
Monika (Donnerstag, 02 Juli 2009 16:38)
eine sehr schöne Idee. Ich habe mich immer gefragt: warum erzählt man nur eine Seite der Geschichte? Es gibt ja nichts auf der Welt, dass nur gut oder nur schlecht ist : )
Cecília Simao (Sonntag, 29 November 2009 17:45)
Hey Fabiana, so ist es!
Eine Favela wird immer nur in Verbindung mit Drogen, Kriminalität die "schmutzige Seite" der Armut. und num... dort leben Familien und viele erhlische Menschen, die trotz diesen Umstände , auf ihre Art glücklich sind. ....Schön dass du auf die Idee dieses Projektes gekommen bist. Eine harte Arbeit aber sie wird dir gelingen...ah! parabéns pela foto tao lindinha destas casinhas coloridas
( na favela, bestimmt!)Cecília
stefan (Dienstag, 13 April 2010 20:19)
Exactamente...quiero comparar-lo con a imagem de Colombia na Alemanha, por exemplo. Como con as favelas las medias transportan una mensagem que dice "todo este pais e tao perigroso que nunce debe visitar-lo".
o alemão (Dienstag, 04 Mai 2010 17:22)
muito obrigado. gostei muito de ler.
salario (Montag, 14 Juni 2010 10:15)
favela? bom, sou nacido e criado na (comunidade rio marinho) ao lado da buraco quente, antes da vale encantado. para quem quer saber, favela e´uma exprecao urbana. nos das comunidades (carentes), somos talvez menos carentes que os carentes das comunidades (nao carentes), ja que somente os (nao carentes)e´que escrevem das carencias dos (carentes), o que deixam os (nao carentes), carentes de uma certa realidade social: as suas propias. obrigado pela oportunidade, e um grande abrasso.
ps:estou carente do cedilha no "c".
Sergio (Sonntag, 06 Februar 2011 07:03)
Find ich auch, bin selber in einer favela in rio de janeiro aufgewachsen.
Natürlich gibt es schreckliche momente in einer favela, aber zu 75 pro. gute (so lange man nichts mit den soldaten der favela oder drogen am hut hat)