I’ve got sunshine. On a cloudy day

Mein erster Blog im neuen Jahrzehnt. Und es ist schon Ende Februar. Shame on me.

Und dabei habe ich den Jahreswechsel sogar in Rio de Janeiro verbracht. Silvester drohte im Regen zu versinken, doch nach über 24 Stunden Dauerregen hörte es rechtzeitig auf, um einer herrlich lauen Sommernacht Platz zu machen. An der Copacabana waren verschiedene Bühnen aufgebaut, und auf dem Weg von der Wohnung meines Bruders zur Party auf der Dachterrasse von unserem Freund Luca schlenderten wir an zweien vorbei. Spontan stiegen wir vom calcadao (für Nicht-cariocas: der gepflasterten Strandpromenade) in den Sand und lauschten den Klängen von Roberta Sá. Wunderbar!

Ich kannte sie, und das verdanke ich last.fm. Obwohl ich keinerlei Aktien im Spiel habe, möchte ich hier einmal die Gelegenheit nutzen, eine Lanze für das Angebot zu brechen. Viele von Euch mögen das Angebot kennen, aber ich möchte es trotzdem noch mal kurz zusammen fassen. Es handelt sich um eine Art Online-Radio. „Noch eins?“ werdet Ihr denken und Euch fragen, ob ich diesen Blog nicht vielleicht zehn Jahre zu spät schreibe. Also, mir ist bewusst, dass es das Internet schon eine Weile gibt, und dass Euch Online-Radios nicht gerade vom Hocker hauen. Ich kenne auch Software, mit denen man viele Radiokanäle nach Lieblingstiteln absuchen und legal mitschneiden kann. Ganz hinter dem Mond lebe ich nicht, auch wenn nicht vielleicht an vorderster Front, immer auf der Suche nach dem neuesten Space Shuttle.

Das Besondere an last.fm ist, dass man eigentlich null Aufwand hat und trotzdem genau die Musik zu hören bekommt, die man gerade hören will. Und dass dabei auch noch dokumentiert wird, was man hört, sodass man auch noch was lernen kann, über Musiker und über sich selbst, nämlich den eigenen Geschmack. Wenn man möchte, kann man auch noch Kontakte mit Leuten knüpfen, die auf ähnliche Musik stehen, sich austauschen und anregen lassen – mit Gleichgesinnten von Polen bis Polynesien. Aber das ist nur eine Art Bonus-Schmankerl. Richtig gut finde ich aber die Radio-Funktion.

Wie funktioniert es? Also, es gibt zwei von vielen anderen Möglichkeiten, die ich nutze. Last.fm ist ein lernendes Radio. Das heißt: Auf der Basis von den Titeln, die ich bisher gehört habe, werden automatisch ähnliche Titel ausgewählt. Je mehr ich höre, desto feiner ist die Anpassung an meinen Geschmack. Wenn mir ein Titel richtig gefällt, kann ich ihn als Lieblingslied markieren, wenn er mir gar nicht gefällt, kann ich ihn blockieren, sodass er in Zukunft nicht mehr gespielt wird. Dieser Empfehlungs-Modus ist gut, um auf neue Interpreten zu stoßen. Allerdings habe ich festgestellt, dass ich je nach Stimmung doch sehr unterschiedliche Musik höre – von Klassik, über Reggae, Hip Hop zu MPB. Aber da ich selten Klassik und HipHop zur gleichen Zeit hören will, ist die automatisch generierte Auswahl bei dieser Funktion doch recht heterogen, sodass die von last.fm vorgeschlagenen Titel manchmal nerven.  

Deshalb bevorzuge ich eine zweite Funktion: Über den „Radio“-Button wähle ich die Option „Kombo-Radio für Künstler“ aus. Jetzt kann man drei Namen von Künstlern eingeben, und im Folgenden werden nur Titel gespielt, die vom Genre jeweils Ähnlichkeit mit mindestens einem dieser Künstler haben.

Das Gute an last.fm ist, dass man für unbegrenzte Zeit und ohne Werbepause kostenlos mit richtig guter Musik beschallt wird. Ich bin ja im Oktober einem Ruf an die Uni Bremen gefolgt und hatte richtig viel mit der Vorbereitung von Lehrveranstaltungen etc. zu tun. Silvester in Rio war nur ein sehr kurzer Trip, um meine Frau und meinen Bruder zu besuchen. Ich war natürlich sehr dankbar für diese Gelegenheit, die damit verbundene Winterpause und die Inspirationen. Aber wer mich – neben meiner Frau - wirklich über den Winter gebracht hat, war last.fm: ein Stück Brasilien in meinem Alltag.

Last.fm führt auch automatisch eine „Musiksammlung“ über die in den letzten Wochen für mich gespielten Stücke. Ich habe eben einen Blick hinein geworfen und festgestellt, dass die ersten Plätze allesamt an brasilianische Künstler gehen. Es führt Vanessa da Mata, die 31 mal gespielt wurde. Silber teilen sich Elis Regina und Marisa Monte mit je 29 gespielten Titeln. Zeca Baleiro  hat mit 28 Titeln knapp einen Platz auf dem Podest verfehlt. Es folgen Adriana Calcanhotto (25) und zu meinem Erstaunen Maria Bethânia, denn ich kann mich an keinen Titel von ihr erinnern – aber so ist das eben mit Radio im Hintergrund. Es geht brasilianisch weiter: Platz 7, 8, 9 und 10 gehen an Luciana Mello, Ana Carolina, Chico Buarque und  geteilt Ana Canas, Djavan, Arnaldo Antunes und Lenine. Auf dem geteilten zehnten Platz kommt auch die erste Nicht-Brasilianerin: Jazmine Sullivan, die immerhin 18mal gespielt wurde. Knapp dahinter folgen Musiq, Maria Gadú, Mary J. Blige und Anthony Hamilton. Roberta Sá erscheint erst auf den hinteren Plätzen, aber das mag damit zusammen hängen, dass ich sie häufiger als Haupt-Namen im Kombo-Radio eingegeben habe, und dann i.d.R. nicht der eingegebene Interpret, sondern ähnliche Künstler gespielt werden.

Das ist sicherlich einer der wenigen Nachteile von last.fm: Man kann nicht gezielt mehrere Stücke in Folge von einem Künstler hören, jedenfalls nicht in der kostenlosen Basis-Version. Wenn man sich in Brasilien aufhält, kann man leider auch nicht ohne weiteres das Radio nutzen – die kostenlose Option ist auf sehr wenige Länder begrenzt. Aber seit es last.fm gibt, habe ich zumindest in Deutschland keine Probleme mehr mit schrecklichen Radios, kreischenden Morgenmännern oder keifenden Feierabendfrauen. Und durch last.fm habe ich viele neue Künstler kennen gelernt. Nicht nur einige der in der oben stehenden Liste aufgezählten Interpreten, sondern auch Andere, wie z.B. Rosalia de Souza, Cibelle, Sabrina Malheiros, Adorinan Barbosa, Leoni, Bicho de Pé etc. waren mir vorher – zumindest nicht in meinem sozusagen „aktiven Musikwortschatz“ -  bekannt.

Wer sich seinen Alltag mit guter Musik insgesamt oder auch mit brasilianischer Musik versüßen will, dem sei die Seite www.lastfm.de von mir ans Herz gelegt. Mein Nick dort ist übrigens „thomasiusaudax“, und wer mag, kann mich gerne seiner Kontaktliste hinzufügen, um meine aktuelle Musik-Rangliste weiter zu verfolgen.

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