Nach Japan ist Brasilien das Land, das die größte Anzahl von Japanern und Nachfahren japanischer Einwanderer, die in Brasilien als Nipo-Brasilianer bekannt sind, aufweist.
Insgesamt leben über 1,5 Millionen Japaner und Nachfahren in Brasilien. Sie leben über das ganze Land verteilt, aber mit 80% lebt die große Mehrheit im Bundesstaat São Paulo . Das Viertel Liberdade in der Hauptstadt São Paulo repräsentiert ein Stück von Japan, mit japanischen Tempeln und Märkten, japanischer Kunst und Lebensart. Im japanischen Viertel kann man verschiedene Sojasaucen ebenso kaufen wie die japanische Version des brasilianischen Cocktails Caipirinha auf der Basis des Reisschnapses Sake: die Sakerinha.Yakisoba und Sushi Restaurants tragen ebenso zum Charme des Viertels bei wie die Karaoke-Bars, sodass das Viertel als eine Attraktion von São Paulo gilt.
Die Mehrzahl der Nipo-Brasilianer bevorzugt die portugiesische Sprache oder verfügt zumindest über gute Sprachkenntnisse. Allerdings verfügt ein großer Teil der ersten Generation nur über fließende Japanisch-Kenntnisse. Angehörige der zweiten Generation sind in der Regel zweisprachig aufgewachsen. 69% von ihnen sind zweisprachig, während 18% nur Portugiesisch und 13% nur Japanisch fließend sprechen können.
In der dritten Generation sprechen 39% nur die portugiesische Sprache, aber immerhin 58% sind zweisprachig, während mit 2% nur ein sehr kleiner Teil ausschließlich die japanische Sprache beherrscht.
Die ersten japanischen Migranten siedelten Ende des 19. Jahrhunderts nach Brasilien über, um auf den Kaffeeplantagen in São Paulo zu arbeiten. São Paulo galt bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts als größter Exporteur von Kaffee.
Die meisten Japaner kamen aber während des ersten und zweiten Weltkriegs, als sie aus ihrem Heimatland fliehen mussten.
Anfangs hatten die japanischen Einwanderer große Schwierigkeiten, sich in Brasilien einzugewöhnen. Die Sprache, Essgewohnheiten, unterschiedliche Lebensstile und andere klimatische Bedingungen sorgten zunächst für einen starken Kulturschock.
Obwohl aber die meisten Japaner ursprünglich vor hatten, in Brasilien Geld zu verdienen und anschließend nach Japan zurück zu kehren, entschied sich die große Mehrheit von ihnen, dauerhaft in Brasilien zu bleiben. Hintergrund dafür war ihr sozialer Aufstieg innerhalb der brasilianischen Gesellschaft und die Ankunft weiterer Verwandten aus Japan.
Die erste Generation der Japaner legte großen Wert darauf, dass Eheschließungen nur mit Japanern und Nachfahren von Japanern geschlossen wurden. Die Heirat mit Personen nicht-japanischer Abstammung wurde gaikokujin genannt, und wurde von der großen Mehrheit der japanischen Immigranten nicht akzeptiert – mit Verweis auf die großen ethnisch-kulturellen Unterschiede hinsichtlich der Sprache, Religion, den Gewohnheiten und Traditionen. Außerdem sollten keine dauerhaften Bindungen mit Brasilien geschlossen werden, die einer Rückkehr nach Japan abträglich sein würden. Während japanische Migranten der ersten Generation sich kaum mit Nicht-Japanern verheirateten, schlossen die Nachfahren der zweiten und dritten Generation immer mehr Ehen mit Personen, die nicht-japanischer Abstammung waren.
Die ethnische Isolation der Nipo-Brasilianer begann sich ab der Dekade der 1970er Jahre aufzulösen. Die Nachfahren der japanischen Einwanderer – zu, größten Teil bereits in der dritten Generation in Brasilien – integrierten sich fest in der brasilianischen Gesellschaft. Immer mehr wurden Beziehungen zu Brasilianer nicht-japanischer Abstammung zu einer Selbstverständlichkeit. Heute verspüren viele Brasilianer mit japanischen Wurzeln kaum noch eine Bindung zur japanischen Kultur: viele sprechen nicht einmal mehr ein paar Wörter Japanisch.