Wenn wir an die Kommunikation in Brasilien denken, denken wir natürlich an eine lockere und flexibel Kommunikation, bei der es keinen Unterschied zwischen Sie und Du gibt, oder?
Dass man sich in Brasilien mit dem Vornamen anspricht, ist vielen bekannt. Aber was selbst nur in Brasilien wenige wissen, ist, dass es doch eine Unterscheidung zwischen einer formellen und informellen Behandlung gibt. Ausgehend von der aus Portugal stammenden Version des Portugiesisch gibt es doch eine Unterscheidung zwischen Du und Sie. Im Gegensatz zum informellen „Du“ bedeutete das „Você” ursprünglich „Sie“.
In einem Gespräch mit meinem Deutschlehrer, der schon über 10 Jahre in Brasilien gelebt hat, ging es um diesen Unterschied. Er hat einige portugiesische Freunde und selbst erlebt, was es für Unterschied zwischen unserem brasilianischen Portugiesisch und dem Portugiesisch aus Portugal gibt. Jedes Mal, wenn er seine portugiesischen Freunde mit „Você“ ansprach, bemerkte er, dass sie sich sofort aufregten, weil sie nicht verstehen konnten, warum er sie mit einer derartigen Formalität behandelte.
Im Unterschied zu Portugal wird „Você“ in Brasilien als informelles Pronomen verwendet, mit dem keine Distanz zum Gegenüber ausgedrückt wird.
Das Pronomen Sie ist nichts weiter als eine Abkürzung von „Vossa mercê“ („Ihrer Barmherzigkeit), und wurde dann immer weiter verkürzt: vossemecê, vosmecê (Euer Gnaden) bis hin zum „você“, das wir heute kennen. Heute wird in der Alltagssprache selbst dieses „você“ zu „“cê“ verkürzt, das im Sinne von „Du“ verwendet wird: z.B.: “Cê vai a festa?” – Gehst Du zur Party?
Im Laufe der Jahre hat sich das Pronomen in Brasilien zu einem Symbol von Informalität und Nähe gewandelt. Einst wurde er als Anrede für den König benutzt, heute ist es ein wichtiger Bestandteil der Alltagssprache.
Im Süden von Brasilien allerdings ist auch heute noch die Anrede „tu“ für informelle Kontakte üblich – wie in Portugal. In Portugal müssen wir „tu“ verwenden, „você“ nur in Brasilien.