Das Portal für Cachaça - Interview mit Dietrich Flath

von Fabiana Kühn

Im KultBrasil Interview erzählt uns Dietrich Flath noch etwas mehr über das Getränk. Dietrich importiert qualitativ hochwertige Cachaças. Er betreibt das „Portal für Cachaça“: www.cachaca-online.de Auf seiner Internetseite betriebt er außerdem einen eigenen Blog.

KultBrasil Wann hast Du das Getränk kennen gelernt? War es in Brasilien oder Deutschland?

 

In Brasilien. Das war damals industrielle Ware. Das Aha-Erlebnis hatte ich dann 1999 in Paraty – da habe ich den ersten traditionell hergestellten Cachaça getrunken. Faszierend war für mich der geschmackliche Unterschied zu den industriellen Cachaças.

 

KultBrasil Kannst Du ein bisschen von Deinen Erfahrungen erzählen?

 

Bei meiner zweiten Reise nach Paraty nutzte ich die Gelegenheit und besuchte dort die berühmten Destillerien. Der Master-Destiller von Coqueiro führte mich quasi in seine Welt ein. Es war sehr lehrreich. Auch heute sind wir noch in Kontakt. Als ich später in Deutschland nach Cachaça suchte, stieß ich immer wieder auf dieselben billigen Marken und fragte mich, wo der gute Cachaça erhältlich ist…

 

KultBrasil  Steht Cachaca für Brasilien sowie Tequila für Mexiko steht? Glaubst Du, dass die Getränke eine ähnliche Bedeutung für ihr jeweiliges Land haben?

 

Ja, klar! Man denke an Bier: typisch deutsch. Genussmittel wie Spirituosen sind Ausdruck des Zeitgeistes und verkörpern ein Lebensgefühl. In den goldenen 20iger Jahren war es in Brasilien „in“, dem westlichen Lebensstil zu folgen. In dieser Zeit wurde der Westen glorifiziert, die Oper in Rio de Janeiro wurde beispielsweise der Pariser Oper nachempfunden und in Manaus wurde ein komplettes Zollgebäude aus England importiert. Man trank Cognac und Whisky.

 

In dieser Zeit wurde der erste Samba von Carlos Moreira de Castro in der Favela Mangueira (Rio de Janeiro) geschrieben. Der Samba wurde ein Synonym für die Eigenständigkeit Brasiliens. Da Carlos entgegen dem Trend Cachaça statt Bier trank, ging er als Carlos Cachaça in die Annalen der Geschichte ein. Mit dem Erfolg des Sambas entwickelte sich der Cachaça zu einem Getränk der brasilianischen Avantgarde. Bis heute ist Cachaça ein Zeichen der brasilianischen Identität. 83% der Spirituosen, die heute in Brasilien getrunken werden, ist Cachaça.

KultBrasil  In Europa ist der Cocktail Caipirinha deutlich bekannter als Cachaça, obwohl Cachaça ja den wesentlichen Bestandteil bildet. Teilweise wird jedoch auch Wodka als Basis verwendet. Dir geht es darum, dass Cachaça auch stärker als Schnaps wahrgenommen wird?

 

Es ist schade, dass Cachaça oft nur in Zusammenhang mit Caipirinha wahrgenommen wird. Pitu - der größte Massenhersteller in Europa - hat den Caipirinha-Boom mit ausgelöst und den eigenen Markennamen als Synonym für Cachaça etablieren können. Caipirinha und Pitu war eins. Später wurde selbst Wodka für die Caipi benutzt.

In Brasilien gibt es rund 30.000 Cachaça-Hersteller, darunter viele Klein- und Kleinstbetriebe, die für mehr als 5.000 Marken produzieren. Dem entsprechend groß ist auch die geschmackliche Vielfalt. Wie bei Whisky und Rum gibt es Qualitätsware, die für einfache Cocktails zu schade ist. Cachaça bietet Vergnügen auch jenseits der Caipirinha – Cachaça kann auch pur ein Vergnügen sein. Überzeugen kann man sich davon bei Tastings.

 

KultBrasil Auf Deiner Website teilst Du mit, dass Du nur traditionell hergestellte Cachaças vertreibst. Was ist der Unterschied zu einem Cachaça, der von großen Firmen in großer Menge produziert wird?

 

Der große Unterschied ist im Geschmack zu finden – und das liegt an der Verarbeitung. Die Massenprodukte werden billig im industriellen Verfahren hergestellt. Die traditionell hergestellten Cachaças werden dagegen in Kupferdestillen gebrannt und nicht in Edelstahlkolonnen. Auch die Fermentierung (Gärung) dauert im traditionellen Verfahren ungefähr 4- bis 8-mal länger als im industriellen Prozess – das heißt es können deutlich mehr Aromen entstehen. Darüber hinaus darf der Cachaça 3 Monate in Fässern „ausruhen“ bevor er in Flaschen gefüllt wird – so wird sein Temperament gezügelt. In Brasilien dürfen sich diese Destillate Cachaça artesanal nennen – international ist dieses Qualitätssiegel leider nicht etabliert. Aber dazu wird gerade im brasilianischen Parlament eine Gesetzesvorlage beraten…

 

KultBrasil Welche unterschiedlichen Arten von Cachaça importiert Ihr?

 

Wir importieren jungen und bis zu 16 Jahre gereiften Cachaça aus verschiedenen Regionen Brasiliens. Momentan sind es fast 40 Sorten – es sollen in Zukunft weitere hinzukommen.

 

Du bist häufig auf Messen vertreten, um Deine Produkte vorzustellen. Wie reagieren Besucher auf Dein Angebot?

 

Überrascht und erfreut – das sind die häufigsten Reaktionen. Einige Barkeeper sind der Meinung, dass Cachaça artesanal das Potential hat, ein Trend-Getränk zu werden, denn er ist exklusiv und die Qualität stimmt.

 

KultBrasil  Wo können Kaufinteressenten Deine Produkte finden?

 

Die größte Auswahl gibt es in unserem Online-Shop. Aber auch Spirituosenhändler führen unsere Produkte. Die Biocompany bietet zum Beispiel den einzigen Cachaça mit Bio-Siegel in Deutschland an. Auch Bars und Hotels werden von uns beliefert. Wir bieten aber auch Schokolade, die von einem Berliner Chocolatier ausgesucht wurde. Demnächst sollen auch Zigarren hinzu kommen.  Um Cachaça  kennenzulernen, empfiehlt sich eins unserer Tastings. Wir arrangieren auch Einführungen in das Thema Cachaça nach individuellen Absprachen.

 

 

 

 

 

 

Wir bedanken Dir für das Gespräch!

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