Der Schriftsteller und Filmemacher Zé do Rock nimmt in seinem neuen Film „Schroeder liegt in Brasilien“ diverse Vorurteile über Brasilien und Deutschland auf die Schippe. In Deutschland ist Zé do Rock durch seine Bücher „Fom Winde ferfeelt“ (1995), „UFO in der Küche“ (1998) und „Deutsch gutt sonst Geld zurück“ (2002) bekannt geworden, mit denen er sich auf eine spielerische Art und Weise um eine Reformation und Vereinfachung der deutschen Sprache bemüht.
„In Brasilien scheint immer die Sonne und schöne Frauen tanzen Samba oder räkeln sich am Strand. Drumherum leben die Leute in Slums und überfallen ständig Touristen, um sie auszurauben. In Deutschland sind alle reich und es wimmelt nur so von Neonazis. Die Deutschen arbeiten viel, sind pünktlich und lachen nie.
Das sind die gröbsten Klischees, die Deutsche im Kopf haben, wenn sie an Brasilianer denken, und
umgekehrt. Die Wirklichkeit ist natürlich ganz anders.“ (Über Schroeder in Brasilien - Zitat von der Homepage des Filmes)
Zé do Rock wurde 1956 in Porto Alegre geboren und lebt in München. In eigenen Worten beschreibt er sich folgendermaßen: Zé do Rock is vor verdammt langer zeit in Brasilien geboren, hat 14630 tage gelebt, 1357 liter alkohol gesoffen, 940 stunden flöte und 648 stunden fussball gespielt, 200000 kilometer in 1457 autos, flugzeugen, schiffen, zügen, oxenkarren und traktiren geträmpt, 104 länder und 16 gefängnisse besucht, sich 8 mal verliebt, ein film gedreht, eine kunstsprache erfunden, ein vereinfachtes deutsch kreirt, hat nix studiert und lebt noch heute, maistens in münchen.
Die Website von Zé do Rock findet man unter: www.zedorock.net
KultBrasil Wann kam Dir die Idee zu dem Dokumentarfilm?
Zwischen einem buch und dem nächsten hab ich zweimal parallel versucht, spielfilme zu realisieren, und daraus ist nichts geworden. Nach meinem letzten buch (im jahr 2003) dacht ich mir, ich muss mit einem billigeren projekt anfangen, das ich irgendwie selber finanzieren kann (mit den investizionen von vielen freunden...), und das war naturgemäß ein doku. Die idee, einen „antizyklischen“ film yber Brasilien zu drehen, is sehr alt, ich bin ja 13 jahre um die welt getrampt und nach dem ersten jahr im ausland ärgerte ich mich schon ziemlich yber die einseitigkeit der brasilien-berichte im ausland – armut, fussball und samba. Also dacht ich zuerst, yber Brasilien ein bericht zu drehen, dann is mir aber eingefallen das ich nicht nur aus einem land komme das mit vielen klischees behaftet is, sondern ich Leb auch im einem land, das mit vielen klischees behaftet is – man könnte sagen, das is mit jedem land so, aber wer könnte mir von klischees yber Uruguay oder Malaysia berichten? Da ich immer wieder in Deutschland war und seit 17 jahren in Deutschland leb, is das land zu einer zweiten heimat geworden, und ich ärgerte mich yber die deutschland-bezogenen klischees genauso wie die yber die klischees yber Brasilien und andere länder. Mir fiel auch auf wie die leute partou versuchen, jede unerwartete informazion yber ein land so zu interpretieren, das es wieder in ihre klischees passt. Brasilien soll ein armes land sein, also wenn man hört, 40% der brasilianer (meistens unter den armen schichten) ham untergewicht, sagen sie, ja, aber das is nur so wegen der ungesunden ernährung! Klar, aber sag mir doch ein einziges land wo die leute dick sind weil sie sich gesund ernähren. Und so is es auch mit Deutschland. Behauptet man, die doitschen feiern gern (eines der zwei groszen volksfeste der welt is ausgerechnet in Doitschland, und nich in den USA oder in Italien (wo die loite doch fyr ire frölichkeit bekannt sind)), kommt prompt der „umkerer“: si können nur feiern wenn si besoffen sind. Klar, aber ma muss nich glauben das die brasilianer im karnewal in Rio nur limo trinken.
KultBrasil Für diejenigen, die den Film noch nicht kennen: Wie würdest Du ihn in wenigen Worten beschreiben?
Er zeigt das die doitshen zwar arm aber gut drauf sind, werend die brasilianer fil geld ham aber dauernd jammern.
KultBrasil Der Film wurde im Jahr 2004 gedreht. Warum kommt er erst jetzt auf den Markt? Wie ist der Prozess zwischen dem Drehen und der Premiere im Jahr 2009 verlaufen?
Der film wurde 2004 und anfang 2005 gedreet, und da wir 90 stunden filmmaterial hatten, ham wir yber ein jar gebraucht um ihn zu sneiden. Alain das capturen (den computa mit dem material zu füttan) und das clip-naming (jedem shnitt a namen und a „shublade“ geben – es waren üba 10 000 shnitte) han mehrere monate gedaua. Also war die erste version 2006 fertig. Dann ging es mit der suche nach a verleiha los, un das hab über ein jahr gedaua. Dann mussten die musikrechte klaeret werden – die meistis sin in Brasilien un teilweise war es nit leicht die urhebis zu finden, oft han si dann auf anfragen gar nit reagert. Anfang 2008 kam das paff-verbot un i fület mi nötit, a buch zu sreiben gegen qualmverbote, die verbotswell im allgemeinen, un die vorurteile die sich gegen andre fölk un folksgruppen richten, egal ob gegen deutshis, brasiliana, judis, muslimis o rauchis. Die buk war in wenigen monaten sriben, aber es hat relativ lange daua bis ik a verlah finden hatte, vermutli wegen des polemishen temas. Un als der verlei sich vor a par monaten entshiden hat, doh nit die konversion auf zeluloid zu finanzeren (die krise!!!), beslosse wir, ihn in self-verlei un digital zu vertreibe – zumal die zal der digital ausrüstet kinos inzwishen deutli zuneme hat.
Inzwishen ha wir 20 testshaus veranstaltet un zu die publikum vershidene fragen stellt, oft au mit fragebogen. So wurde der film vo 110 auf 95 minuten reduzert. El endversion war erst in die premiere in die 12.5.09 zu se.
KultBrasil Was waren Deine größten Schwierigkeiten auf dem Weg von der Idee zum fertigen Film?
Erstmal war es die kru zusamme zu stell – die deutshis ersheine nit un rufe gar nit an, um zu sage dat dey nit komm. Dann war die fede mit a (zuverlassishe) kru-mitglid, un last but not leest die probleme von el akzeptanz bei filmleut. Die „normale“ publikum haha fil un is begeistat, aba die meiste filmleute hab a probleem mit die film un wisse nit so genau wat es is. Fili gebe ganz vershidene gründ an, warum die film so nit funktionee kann, wer es aber einu vo dise gründe, mussat dey sich fil öftas widahol. Mei teorie is, die film ha file filmnorm-abweius (abweichungen) – manchus wollet wir so, manchus nemet wir billigish in kaufu. Wenn man ein anerkannta regisseur is, werden abweichungen als originalität gesehen, wenn man aber unbekannt is (und in der filmbranche bin ich unbekannt) denken sich die filmleute, das sind fehla – disa typ cann ja nicht amal filme machen! Es war nicht andas als mit meinem ersten buch: die verlage fanden es lustig aba so a buch hatten si noh nicht gesehen, nix war da norma-conform. Nachdem ein anercannte critica lobende worde shriben hatte, wurde das buch plötzlich salonfehig – übanacht war i kein comische cauz mer sondan ein originell artist. Mein abweiungen von der norma waren keine fela mer sondan bedeuteten creativitee. Naja, in disem sinn muss ich in der filmweld noh dur dise nadelör...
KultBrasil Und was war am interessantesten während dieses Prozesses ?
I hatte shon en anung wi clishees, wi glaubenswellen functioneren, un nu wiss ik a bissi mer...
KultBrasil Gab es etwas, das Dich während des Filmens überrascht hat? Oder etwas, was Dich verändert hat
An mega übarashungen cann i mi nit erinna, aber an file minis, pro exemplo war in den früheren versionen a camera fart alang stinknormalen midel-classe-hausen in Brasilien. Bei el individualen testshaus hab i constatee dass die personis das gar nit so sen: si han el informationen im sinn von ir clishees „umdreet“. Die midel-classe-hause wurde tu villas. I saget, aba mann, shau dir dise hauser an, dey canat dok irgendwo in Trudering or irgendein deutshe midel-classe-firtele sei! Das sin doh kei villas! „Ja, aber in Brasil werde dey wol villas sei...“.
Verenderungen in mi? I lernet einiges üba die filmemaken un üba dise tema clishee, aber en Ilumineto wurd i nit.
KultBrasil Wie wurde Dein Film bei der Premiere aufgenommen?
Mit entusiasmo, natural... Dorothea Schick von el Initiative Münchner Galerien ha mik en e-mail
send: Danke für den wunderbaren Film!
Ich habe lange nicht mehr so gelacht und werde ihn eifrigst weiterempfehlen.
KultBrasil In welchen Städten wird Dein Film anlaufen?
Er lauf in 2 cinemas in Minga an (dat is die bairishe capital), un die chancen ste gud dat es bald auk in Innsbruck, Hamburg un Kil zeiget werd. Un dann shau wir mal weida. Bis nu hav ik aladings nur 7 cinemas contactee, 300 fele noh... abseet vo die tecnico director Rupert Mahner, die die ganze tecnica smeiss, von Andrea Naica-Loebell, die die presse mak, un mini helpudinus (hilfsdiensten...) bin i momentan en einmann-betrib, und da is die ganze werbu für die Minga cinemas tu mak, die burocratie tu erledi, etc...
KultBrasil In einem Artikel der WELT mit dem Titel „Die deutsche Sprache lebt“ wirst Du als „unvergleichlicher Autor“ in einem Atemzug mit dem „Wortakrobaten“ Helge Schneider genannt. Wie stehst Du zu ihm, und siehst Du Gemeinsamkeiten bezüglich Eures Auftretens und Eurer Rolle?
I cann mit sei humor nit fil begin, aber i kene personis die total entusiastico sind. I glaub au wir hab andre motivos: er vole vor alu die zushauis tu haha bring, i vole die personis in princip informee, und dat moglist comic und undahaldend.
KultBrasil In Deiner Autobiographie schreibst Du, dass Du eine Sprache erfunden und Deutsch vereinfacht hast. Wie reagieren die Deutschen auf diese Vereinfachung und wie Deutschlernende? Gibt es das Neu-Deutsch bald an deutschen Schulen?
Lernende find es naturlich ima gud – wär doch wundabar if ma 10 informaciones lerne mussat stad a milion. Erwaxene deutshe ha meist yuhu (spass) in mei bukes, wenigst diejenigen, die dem les... naturlich existee vermutlich miliones personis, die kurz mal rein blädan und sich denke, na, dat is ja total dificile tu lese, dat kauf ich securo nich. Und nich wenige find es komico tu lese, wat nich heisse dat dey pro die introdukcion vo so a sistem in die schulas wer. Es komm auch darauf an wat a sistema gemeint is: ultradoitsh-S (das seriöse, wi in der ersten helfte dises interwius) is ain ainigamaszen fonetishes doitsh, die sprechsprache blaibt glaich. Bei ultradoitsh-U (unseriös, wi bis die lezte fragu) werd die gramatik entslaket, wat heisse, die sprekusprake enda sich stark. Also da is kei genus, kei deklinatione, konjugatione, etc. Aba wenn es fast a revolution verursake, wenn ma 0,46% vo die sriftbild enda, wat wer zu erwarte wenn ma die deutshe gramatik (auk in die sprekusprake) auf fast null reduzee wür? Und dann wäre da noch Siegfriedisch, das rrrreinstgermanische Deutsch, in dem alle Frrremdwörrrter soforrrt in ihre Heimat zurück geführt werden, in dem Zwiebel (vom lat. cipolla) ‚Heulgemüse’ heisst, Polen ‚Räuberland’ und Fidel Castro ‚Geigenhartbeutel’ (ich hätte gern Geigenkasten, aber ‚Kasten’ ist leider schafsmilchkuchenländisch (griechisch) – ‚Käse’ (lat. caseus) geht selbstredend auch nicht. Und dann auch noch kauderdeutsh, dat is ein multiculti und internacionalisiet deutsh, sozusagen ein deutsh-basiert esperanto. Dat hatten wir in den lesten fragen, aber ich far es grade runta...
Nur ultradoitsh-S war ain ernsthafta forslag fyr die reform der doitshen ortografie, und das ainzige womit ain tail der befölkerung ainferstanden wer. Eine reform die wirklich eine chance hätte wär wunschdeutsch – ich hab 20 000 zuschauer in meinen shows abstimmen lassen, was sie an änderungen in der rechtschreibung wollten, und daraus ein basisdemokratisches deutsch kreiert. Ultradoitsh-U, Siegfriedisch und kauderdeutsh hätten sicher nie eine chance.
KultBrasil An welchen Projekten arbeitest Du zur Zeit?
Ich muss ‚Schroeder liegt in Brasilien’ und mein buch ‚Jede sekunde stirbt ein nichtraucher’ – a lexikon üba vorurteile und andre teile - an den mann bringen. Projekte hätt ich sons genug, aber if es mit den aktuellen projekten nich klappe, hab ich kaum noch eine chance, was andres tu realisiren, und muss dann teller waschen oder die straßen keren. Also bin ich mit meinen aktuellen projectos genug beschäftigt...
KultBrasil Lohnt es sich Deiner Meinung nach, Schröder in Brasilien zu besuchen?
(Fabiana, o nome da cidade é com OE, schroeder)
Da is ein eer bescheidener wasserfall tu besichtigen, ansonsten is das städtchen wie hunderte andre in Südbrasil – eine von inen kann ma sich schon anschaun,
und sie sind ein guter kontrast tu citis wie Blumenau oder Gramado, die sich extra „alpinish“ anzin um turis anzuzin. Schroeder is wie so vile andre citis eine normale südbrasiliano citi mit deutsh, italian und osteuropish imigris. Sie hat aber was specielles, sie is eigentlich eine merere kilometer lange straße mit ser wenigen seitenstraßen, die nach ein par hundert metern tu ende sind.
So, ich hoffe keiner hatte probleme, dises interviu tu kapiren!
Wie wir berichtet haben, hatte der Film seine Premiere in München. Er läuft nun auch in anderen Städten an, worauf uns Hugues Lefevre in seinem Newsletter der Xing Community “Brasilianische Kultur” aufmerksam gemacht hat:
Ab 25.6. läuft der Film im Filmhaus in Köln,
http://www.koelner-filmhaus.de
ab 2.7. im Kino Eiszeit in Berlin
http://www.eiszeit-kino.de
und ab 16.7. im Kino Casablanca in Dresden
http://www.casablanca-dresden.com/
Außerdem gibt Zé do Rock am 23.6. um 13:15 Uhr ein ausführliches Radio-Interview, das über den Sender Funkhaus Europa zu hören sein wird.