Die WM von 1994 – Brasilien wird Tetra-Champion

von Fabiana Kühn

Portugiesisch
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Es war nicht unser erster Sieg und weit entfernt davon, unser letzter zu sein. Aber diese WM war die prägendste bis heute, und ich glaube nicht nur für mich. Im Jahr 1994 haben wir unser Formel 1 Idol Ayrton Senna verloren, die Musik aus Bahia verbreitete sich im ganzen Land, ihr Rhythmus und die doppeldeutigen Texte waren überall präsent. Es gab eine hohe Inflation, und unser Finanzminister und zukünftiger Präsident, Fernando Henrique Cardoso, begann die ersten Schritte eines Projekts auszuarbeiten, das unser Land bis heute prägt: die neue Währung ,den Real.


Zu dieser Zeit war ich elf Jahre alt und während der Weltmeisterschaft fiel ich vom fünften Stock eines Hauses. Nur durch ein Wunder überlebte ich, lag aber mit 40 Nadelstichen im Bauch für fünfzehn Tage im Krankenhaus.

 

Es war also die Zeit der Weltmeisterschaft. Wir hatten ein Team voller Unbekannter, und niemand von uns traute ihn viel zu, denn in den Qualifikationsspielen hatten wir ganz schlecht gespielt. Ohne die Begleitung unseres Vertrauens machte sich das Team auf den Weg in die Vereinigten Staaten. Geleitet wurde die Mannschaft vom damals in Brasilien eher unbekannten Trainer, Carlos Alberto Parreira, der heute das südafrikanische Team leitet.


Niemand von uns glaubte, dass 24 Jahre nach dem dritten WM Sieg im Jahr 1970 endlich wieder ein Titel nach Brasilien geholt werden könnte.

 

Die WM beginnt, und Brasilien erreicht das Achtelfinale, mit guten Spielen in der ersten Runde: 2:0 gegen Russland, 3:0 gegen Kamerun und 1:1 gegen Schweden. In Brasilien begannen die Erwartungen langsam zu steigen. Mit jedem Sieg vertrauten wir der Mannschaft etwas mehr – und begannen sie auch besser kennen zu lernen. Eine Gruppe von Spielern, die auf und jenseits des Platzes gut miteinander harmonierten und Teamgeist zeigten. Die Doppelspitze von Bebeto und Romário erschien uns zunehmend unschlagbar, und unser Kapitän, war ein Löwe in der Verteidigung, ein Beschützer, der auch bereit war, die Moral des gesamten Teams zu steigern. Wer war es? Dunga, der heutige Trainer von Brasilien.

Nach und nach sind die Namen der Spieler in aller Munde: Branco, Leonardo, Márcio Santos, Dunga,  Taffarel,  Jorginho (der zur Zeit Dunga unterstützt) , Aldair, Mauro Silvia, Mazinho  e Zinho. Selbst Ronaldo war schon dabei – zu dieser Zeit war er 17 Jahre alt und nahm auf der Reservebank Platz.

 

Als Brasilien gegen die USA auflief, lag ich im Krankenhaus. Aber selbst da konnte ich das Spiel verfolgen, weil ich die Intensivstation schon verlassen hatte. Allerdings gab es nicht in allen Zimmern, und deshalb verabredeten sich die Patienten, um sich die Spiele gemeinsam in der Kantine des Krankenhauses anzuschauen. Auch die Besucher durften an diesem Tag länger bleiben, um gemeinsam mit den Patienten das Spiel von Brasilien zu verfolgen. Das Spiel war sehr spannend, erst in der zweiten Hälfte fiel das entscheidende Tor, das wir mit nach der roten Karte für Leonardo mit nur noch 10 Spielern verteidigen mussten. Es blieb beim 1:0. Während des Spiels vergaßen wir alle, dass wir uns in einem Krankenhaus befanden, so groß war die Freude, dass wir eine Runde weiter waren und ein Finale mit Brasilien plötzlich immer näher kam – ein Finale, auf das die Nation schon so lange wartete. Im Moment, als das Tor fiel, lagen wir uns alle in den Armen und 

schrien zusammen mit dem Reporter Galvao Bueno:  Bueno Golllllllllllllllll éeeeeeeee do Brasil. Tooooooor – durch Brasilien!

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Schließlich war es so weit: Brasilien stand tatsächlich im Finale – unglaublich!!! Wer hätte gedacht, dass dieses Team von Unbekannten so weit kommen könnte. Aber nun ging es gegen das gefürchtete Italien von Roberto Baggio. Wir wussten schon vorher, dass wir während des Spiels leiden würden. Keinesfalls eine leichte Aufgabe wartete auf uns. Wie Brasilien hatte Italien die WM schon dreimal gewonnen – wer von beiden Ländern würde den vierten Titel einfahren? Würde Italien uns als Rekordweltmeister gar überholen?

 

Bei mir zu Hause bereitete meine Mutter das Popcorn vor, und mein Vater stieg auf’s Dach, um die Antenne auszurichten. Nichts sollte uns schließlich während des WM Finales stören. Freunde und Verwandte strömten zu uns, brachten Essen und Getränke mit und waren geschminkt mit den brasilianischen Nationalfarben – bereit für ein mögliches Freudenfest.

 

Das Spiel beginnt, was für eine Spannung! Italien scheint etwas stärker zu sein. Für Brasilien springen nur wenige Chancen heraus, und kein Ball findet den Weg ins Tornetz. Die Spannung steigt noch in der zweiten Halbzeit, aber wieder kein Tor – weder für Italien, noch für Brasilien. Zittern während der Verlängerung – aber auch diese endet torlos. Haben Sie schon mal einen sprachlosen Brasilianer gesehen? Zugegeben, das ist schwer – aber vor dem Beginn des Elfmeterschießens gab es mit Sicherheit einen dieser seltenen Momente. Denn zu groß war die Anspannung. Niemand sagte etwas. Bei mir zu Hause hielten wir diese Spannung nichts mehr aus, und von den Fingernägeln, an denen wir vorher nervös hatten kauen könnten, war schon nichts mehr übrig. Keine Gespräche untereinander – in diesem Moment waren wir alle total auf unsere selecao, unser Team fokussiert. Das WM Finale war das wichtigste auf der ganzen Welt.

 

Jeder einzelne Elfmeter stellte uns vor neue Qualen der Spannung, die brasilianischen ebenso wie die italienischen. Bis Baggio anlief und .... drüber!!!!! Den Rest können sich alle auf Video angucken, welche Euphorie: Brasilien ist Tetra, vierfacher Champion.

É tetraaaaaaaaaaaaaaaaaaa, é  tetraaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa…

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